Wir werden ohne Mitspracherecht geboren: an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Familie und unter Bedingungen, die einen großen Teil unseres Lebens prägen. Wir wählen unsere Geburt nicht, ebenso wenig den Körper, das Geschlecht oder die Gesundheit, mit denen wir erscheinen. Außerdem werden wir von den Kräften der Natur beeinflusst — den Gunas, wie sie in den Veden beschrieben werden: Güte, Leidenschaft und Unwissenheit.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist unsere genetische Veranlagung. Wenn jemand zum Beispiel mit einer extremen oder problematischen genetischen Konstitution geboren wird, wird deutlich, dass nicht alles im Leben aus freier Entscheidung entsteht.
Innerhalb dieser Bedingungen haben wir jedoch die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Deshalb sind wir zugleich frei und nicht frei. Unsere relative Freiheit existiert innerhalb der Grenzen von Geburt, Erziehung, Genen, Gesellschaft und den Gunas.
Die einzige wahre Freiheit liegt in der Erkenntnis, dass wir das Selbst sind. Wahre Befreiung entsteht, wenn wir unsere Identifikation mit Körper und Geist loslassen. Das ist keine leichte Aufgabe, denn die Gesellschaft hat uns ein verzerrtes Bild davon vermittelt, wer wir sind, und hat das Ego zu unserer höchsten Priorität gemacht.
Darum ist es wesentlich, dass wir bereits in unseren frühesten Kinderjahren — wenn wir noch nicht durch gesellschaftliche Konditionierung verdorben sind — dieses jahrtausendealte Wissen erhalten. So lernen wir, aus dem inneren Selbst zu leben und eine Freiheit zu erfahren, die nicht von äußeren Umständen abhängt.